S'Hus Sandhas verzellt

Wir wünschen viel Spaß beim lesen unserer Chronik, aus der Sicht von unserem Haus :)

Vielen Dank an Lothar, Richard und Daniel Kienzler für das Verfassen der Geschichte des Hauses Sandhas!

S’Hus Sandhas verzellt

Wenn i so zruckdenk, iber 200 Johr, so git’s  manchs zu verzelle. I moin, i bin jo eigentlich schu älder, wie alt genau weiß i selber nit. Wie het’s denn eigentlich agfange?

Ach ja, vor 235 Johr het de Thaddäus ä Gschirrsattlerei gründet, aber nur in einere Hälfde vun mir. In de andere war ä Kupferschmiedi, au vum ä Sandhas.

A dichtige Frau her er ghet, ä Ungarin Luitgard Grehser het se gheiße un isch direkt us de Pußta zu uns kumme. Hasle war damals no klei, 700 Iwohner, also kei Verglich zu hitzudag.

Un noch’m Thaddäus isch de Fidel kumme, der het ä Frau us Sulzbach ghet. Nadirlich hen sie mich no nit so usbaut ghet. Im erschde Stock war d’Sattlerei, Kupferschmidi, d’Kuche, d’Stub im 2. Stock, im hitige 3. Stock do het’s nur d’Bihni gäbe.

Un dann noch’m Fidel isch de Alexander kumme. Haja, de Alexander, des war villicht so ä Kerli. Jeden Dag isch der um 3 in D’Kanon zum Zego spiele, de Frau het er gsait, was sie schaffe muß, bis er widder zruckkummt. Wenn er als in de Werkstatt war, dann hen ihn oft de Pfarrer Albrecht un de Hansjakob bsucht.
De Alexander war Demokrat un dann hen si polidisiert un d’Kinder hen schtill sie müsse. D’Kinder ware oft in de Werkstatt, dert het’s jo dausend Sache gä wo indressant ware, Riämli, Schnälleli, Werkzig und was de Vadder un de Großvadder gschafft hen.
Im hohe Alder isch de Alexander immer uff’m Sofa in de Schtub ghockt, un het ä Stock mit me Stück Leder in de Hand ghet, des war sin Muckedatscher.

Sini Enkeli sin donn als kumme un hen bedellt, „Großvadder, verzell uns vu de Raiber in Ungarn!“
De Alexander war nämlich in sineri Jugend in Ungarn. Früher het e Handwerksbursch jo immer uff’d Reis goh müsse, uff’d Walz, um in de Fremdi Erfahrung z’sammle. Also, ich verzell’s mol, wie ich’s no weiß. De Alexander isch uff’m Floß Donau nabgfahre. Uff dem hen se Ware befördert un er het dichtig apacke müsse, weil er jo kei Geld gho het.
Defir het er donn bis Ungarn mitkenne. In Ungarn isch er in de Pußta gwondert, weil er zum ä Kuseng het mechde, seller het nämlich in de Pußta ä Seifesiederei ghet.

Eines Abends isch er zum ä Wirt kumme un het dert übernachde welle, dann hat de Wirt gsait: „ Schlof uff de Ofebank, aber um zwelfi kumme d’Raiber.“ De Alexander het nadirlich schu ä wenig Schiss ghet un tatsächlich Punkt zwelfi sind d’Raiber kumme un hen esse möchte. D’Raiber hen als Fuhrgsponn un Kutsche überfalle. Als se de Alexander gsehne hen, hen sie gfrogd: „Wer isch denn des?“ De Alexander isch uff de Ofebank glege un het bibbert, während er so gmacht het wi wenn er schlofe dät. Aber nochdem de Wirt gsait het, des isch nur ä arme Handwerksbursch, hen si ne in Ruh glosse.

De Alexander het donn in de Pußta gschaffd, het dert au ä wenig ungarisch glährt un isch donn widder heim. Will er au in Wien war, het mer ihm de „Wiener Sattler“ gsait un will er immer ä Zigar in de Gosch ghet het, isch er au als „Dampfsattler“ bezeichnet wore.

Jetz fallt mer ebbis i: Am Hergottsdag isch er immer uff de Bank vorem Hus gsesse un wenn donn d’Lit kumme sin un hen mechde Zweige vun de Birke abbreche, donn het er sinen Stock gnumme, het ne uff’d Finger ghaue un het sakramendiert, dass sie d’Flucht ergriffe hen. 1916, midde im Erschde Weltkrieg isch er dann gstorbe, er isch 93 Johr alt wore. Siner Sun, de Heinrich war jo s’gladde Gegedeil vum Alexander. Er war immer daheim, het gschaffd un grackert, ä ganz strebsame Mensch. Er het jo au vil Schulde gha, will de Alexonder mini 2. Hälfte uffgkauft het un des war jo net billig. Ausserdem war de Alexander immer sehr litseelig, halt ä richtige Hallodri.

De Heinrich het immer gsait er blibt dähoim: „De Vadder het für uns gesse un graucht“ In de Werkstatt het de Henrich viel Flickereie gmocht, Zugriäme un au viel Bette, weil es nit nur ä Sattlerei war sundern au ä Polschderei. S’Roßhaar für d’Bedde het einzeln zupft wäre müsse. Die ganz Familie isch donn zemme ghockt un het die Sisiphusarbeit gmocht.

Für d’Flickerei hen si in de Stund früher 30 Pfennig kriegt. Im Lade hen se no nit viel Ware ghet: Geißelsteck, Seiler, hauptsächlich für d’Bure. S’Leder het de Heinrich in Usswahlsendunge von Jude in Offebach kriegt. Bargeld het er nit viel ghet, meischdens het er mit Wechsel gschafft.

Früher war au’s Problem, daß d Bure nur eimol im Johr zahlt hen, immer am Martini. Jedi 2o, 30 Pfennig het mer müsse uffschriebe.

Am Heinrich isch d’Frau gschdorbe als sie sechs Kinder gha hen: de Heinrich, Otto, Theres, Cecil, Wilhelm un de Karl, der domols grad 1 Johr alt war. Sie isch am Kindbettfieber gschdorbe. Mit de nächste Frau het er nochmol 4 Kinder ghet: D’Luise, de Paul, de Fritz un s’Elis. 10 Kinder ernähre un d’Schulde abzahle isch für ä Handwerker nit eifach.

Überhaupt, wer vu de guade alde Zit verzellt, der weiß nit oder nimme, wie hart se domols hen schaffe müsse um Läbe z’kenne. Sunndigs hen d’Kinder immer 5 Pfennig für ä Brätschell kriegt, mei des war ä Feschd.

Un donn war gegeüber s’Cafe Efinger un dert sin d’Gäschd im Garde ghockt un hen Eis gesse un d’Kinder hen nie, gar nie ä Eis kriegt, des war hart.

Un i weiß no genau, im Alder het de Hoiner um 4 in de früh  ussgschlofe ghet un donn hen d’Kinder, s’Elis un de Karl uffstehe müsse un bis um achti im Garde schaffe. De Karl het uss Hunger als rohe Zwieble gesse.

De erschde Sohn, widder ä Heinrich het’s Gschäft widdergführt. Er isch widder meh uff de Alexonder russkumme, war viel litseeliger als siner Vadder. Er war jo au in viele Verein, z.B. bi de Feierwehr un bi de Ranzegard, er isch au widder öfters zum Frühschopppe gange. De 2. Heinrich war ä Tiernarr, sini Spezialität ware Kummet. Am Sundig isch er meischdens uff irgend ä Hof un het dert noch de Gschirrer gschaut.

D'Sandhase ware bekannt für gude Gschirr un de Gschirr ware wichtig, weil d’Rössli sunsch wund wore sin.

Er het müsse noch ä halbe Tierarzt si, will er so viel mit de Tier z’tue ghet het.

In dene ganze Jahre isch er nit eimol vum ä Ross trete wore. Früher war’s au so, daß mer am Werdig gschaffd un gschunde het un de Sunndig des war de Ruhetag. Zuerschd sin d’Familie zemme in d’Vesper oder öfters au nur d’Frau und d’Kinder. D’Fraue sin gange, will si überzeugt ware, d’Kinder will si eifach hen müsse. Aschließend isch mer dann nach Hofstette, Bollebach oder Miehlibach gloffe in ä Buurewirtschaft, der het’s für d’Kinder ä Limo un ä Brätschel ge un für de Vadder Moschd oder ä Bier. Zu sellere Zit hen no viele Wirt selber braut.

Dert, wo früher de Friseur Schröder war in de Isebohnstroß, dert war noch früher d’Wirtschaft von Schaettgen’s. Di hen no Hopfe apflanzt un s’Bier selber braut. In de Felsekeller im Herreberg un an de Hofstetterstroß isch’s uffbewahrt wore. D’Matte het mer im Winter gwässert um große Isbleck z’kriege zum kühle.

De Heinrich het d’Schuldasche noch selbergmocht, mit dausend Schnalle un gfüttert un Streife gschnidde um die Dasche izfasse. Uff de Deckel isch ä Rotkäppli, ä Pferd oder ä Blumekorb uff Samt gstickt, uffgnäht wore. Für die gonze Arbeit hen si donn, 18,- oder 20,-  Mark verlangt. Jochriehme für d’Ochse, Kuhgschirr, Halfter und Zügel het er gmocht. Rossdecke sin hergstellt wore, für de Summer lichde für de Winter schwere Decke uss Segeltuch, gfüttert, blau-gelb kariert.

4 Kinder hen se ghet, d’Marie un de Hoiner. De erschde Sun het au widder Hoiner gheiße, dann d’Annemarie, s’Lisbeth un de Franzel.
De dritt Hoiner isch im Krieg gfalle, am 3. Mai, 5 Dag bevor s’tausendjährige Reich endgültig zemmebroche isch. Gott sei Dank isch die Zit vorbei, aber vergesse isch si no lang nit, au wenn’s hitzudag viel Lit meschde. In Hasle het’s ä KZ geh uffem Vulkan, wo Kriegsgfangene un Staatsfeine schaffe hen müsse, au de Onkel Willi het dert schaffe müsse.

Wer weiß des no hitzudag, nußschreie sott mer’s jeden Dag, damit so ebbs nit nomol vorkummt un monchmol, monchmol hab ichs Gfühl mer sin schu widder uffem Weg däzu.

Ich hör de Hoiner no ganz dittlich, wenn er als heimkumme isch un vun de Nachtwach verzellt het: „ Ich konn eifach nit uff jemond schieße, der het mir do gar nix gmocht.“

S’het sich donn meh un meh verlagert, in de 50-iger Johr, mit’m Wirtschaftsuffschwung isch immer meh de Lade in Vordergrund grückt: S’Flicke un s’Polschdere isch mit de Zit nur no Service wore, verdient her mer nimme viel dran.

1965 war donn de große Schicksalsschlag für d’Sandhase. Zerschd isch de Sun, de Franzl tödlich verunglückt un im Herbschd isch de Vadder, de Hoiner gschdorbe. No het d’Lisbeth, s’erschd mol in 200 Johr ä Frau s’Gschäft übernumme. Ihr Mann de Helmut het jo au gut in’s Gschäft passt, er schlagt am meischde am Alexander nach. Nit mit’m Reise, aber mit’m litseelige Charakter un sinere Vorliebe für Wirtshusstammtisch.

S’Lisbeth hilft immer noch im Lade, aber de Helmut sitzt jetzt am Stommdisch vum Petrus, dringt ä Engelsbräu un schaud mit’m Schnitzer, Hoffe un em Pöschl uss’m Himmel was in Hasle so laufd. Die sähne kei Säckli stricke meh, jetzt wird nimmi in die Allmendgass gmetzget, Wurschd git’s nur noch bim Metzger. Sit 1995 het de Richard, einer vun dene 4 Kienzler-Bube, s’Gschäft. Der het ä tichtige Frau uss’m Eichebach gfunde, sini Diana. S’Lisbeth un de Helmut hen ja schu vil an mir rumdoktert. D’Reparaturwerkstatt isch noch obe kumme un will’s 1972 brennt het, hab ich ä neie 3. Stock un ä neis Dach kriegt. Mit’m Richard isch’s grad so widdergange, ich hab kei Ruh ghet. Kumm het der mitgschafft, hen die de 2. Stock umbaut, des het neie Verkaufsfläche gi. Un weil de Misli, so isch sin Spitzname, so ä guede Fußballer war, hed der au de Sportbereich viel größer gmocht. S’git jetzt schu lang kei Bodebeläg oder Kinderwäge meh. Späder hen se mich ussbaggert, jetzt hab ich endlich mol eh gscheide Keller. Dert isch s’Lager un d’Skiwerkstatt un sit kurzem hab ich ä neie Igong, der isch jetzt in de Engelstroß statt in de Isebohnstroß. Endlich sieht mer moll widder die alte Holzbalge, wo schu iber 235 Johr ald sin. 2007 bin ich donn gliftet wore, d.h. mini Fassad isch nei gmocht wore. Au s’Angebot im Lade isch mit de Zit eh onderes wore, sit 2017 gits keine Tasche meh, defür git’s noch me Sportsache und alles was die Weltebummler hitzudag so zum Reise bruche.

Durchhalde heißt au verändere, mol schaue was in de nägschde Johr noch passiert. Viellicht isch dann de Daniel Kienzler de Inhaber, der schafft ja schu kräftig mit. Ich bin uff jeden Fall gspannt was noch so alles passiert.

 

235 Johr

7 Generatione, vum Thaddäus bis zum Richard

235 Johr

8 Johr vor de französische Revolution

71 Johr noch’m zweide Weltkrieg

235 Johr

Firdig, Sunndig un vor allem ä huffe Werdig

235 Johr

Agfange mit Kummet un Riehme, iber Matratze bis zum hitige Carvingski

235 Johr

Schaffe, schinde, schufte ploge

235 Johr verschundeni, verstocheni, verdreckdi, rauhi, rissigi, hardi Händ

235 Johr

D’Kinder ä wertvolls Guad, de Grund fir’s schaffe un läbe, di Alde ghere zum Ganze, läbe un sterbe in de Familie

235 Johr

Koine iskaldi Gschäftslit, sundern flißige Handwerker

235 Johr

Flißige Handwerker, koine Revoluzzer

235 Johr

Un immer noch koi richi Lit, aber de Richtum inne drinne in de Mensche

235 Johr

Ä Gschäft, ä Hus, ä Familie, ä eigene Gschicht.